By Gerd Nollmann

Wer sich dazu entschließt, eine Dissertation im Fach Soziologie anzufertigen, begibt sich nicht nur unter beruflichen Gesichtspunkten auf eine gefährliche Bahn. Auch die benötigte soziologische Brille verändert oft unmerklich den Blick des Autors auf das ihn umgebende Soziale, so daß er schließlich interessante Probleme entdeckt, von denen guy außerhalb des Wissenschaftsbetriebes nichts ahnt, ja diese nicht mal als solche versteht, wenn explizit auf sie hingewiesen wird. Auf diese Weise wird manches Thema so lange mit dem terminologischen Werkzeug des soziologischen Fachbetriebes bearbeitet, bis Außenstehende und Neuankömmlinge die Lust am Lesen verlieren. Angesichts der unübersehbaren Heterogenität der soziologischen Forschungslandschaft mit ihren tief in die Be­ griffsbildungen hereinreichenden Inkompatibilitäten gilt diese Gefahr selbst für Leser, die dem Fachpublikum zuzurechnen sind. Ich hoffe, daß meine Arbeit über das doch äußerst reizvolle und spannende Thema 'Soziale Konflikte' nicht vollständig in einem der Abgründe untergeht, die sich zwischen Nicht-Soziologen, unterschiedlichen Richtungen innerhalb des Faches, den verschiedenen akademischen Disziplinen, Studenten, Professoren, Mittel­ bauern und Doktoranden auftun. Vorliegende Arbeit wurde im Juli 1996 von der Philosophischen Fakultät der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster als Dissertationsschrift angenommen. Meinen Gutachtern Armin Nassehi und Rolf Eickelpasch danke ich für zahlreiche wertvolle Hinweise, Diskussionen und Ver­ besserungsvorschläge, die mir dabei geholfen haben, zahlreiche der tückischen, aber oft unvermeidlichen Untiefen, Klippen und Kanten einer wissenschaftlichen Erstlingsschrift zu meiden.

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Dahrendorf versteht den widersprüchlichen Charakter der Herrschaft als Abbild des "Doppelgesichtes der Sozialstruktur", das sich auch auf der Ebene der sozialen Rolle wiederfindet. Der soziologische Rollenbegriff dient bei Parsons dazu, soziales Verhalten als normativ vermittelt bzw. als Funktion von Erwartungen zu analysieren. Rollenbeziehungen können fiir Parsons als komplementäre Verhaltensmuster aufgefaßt werden, die sich auf explizite und geltende gemeinsame Normen und Werte stützen. Dahrendorf erweitert dieses Verständnis von sozialen Rollen um einen "nichtintegrativen Aspekt" (Dahrendorf 1957: 161).

Die operative Frage nach der Genese von Konflikten - warum tauchen sie überhaupt in der Gesellschaft auf muß von ihm letztendlich in einem "aprioristischen Lösungsversuch" (Weingart 1968: 255) als Definition abgehandelt werden. Was Dahrendorf nicht beweisen kann, das setzt er apriori an - so könnte man in Anlehnung an ein bekanntes Sprichwort formulieren. Weitergehend noch sehe sich Dahrendorf, so Weingart, gezwungen, Herrschaft und die aus ihr resultierenden Konflikte als invariantes "functional prerequisite" der Gesellschaft einzufiihren, das prinzipiell unwandelbar und universal ist.

Entirely, regarding it as useless and worse" (Radcliffe-Brown 1949a: 321). Zweitens stellt sich die Frage, wie die strenge kausalwissenschaftliche Überprüfbarkeit von funktionalen Aussagen dargestellt werden kann, wenn funktionale Wirkungen auf einen Satz von funktionalen Erfordernissen (functional prerequisites) bezogen werden, der der Analyse vorangestellt wird? So kann Ernest Nagel zeigen, daß die implizite Konzeption funktionaler Erfordernisse "remains one of the cloudiest and empirically most debatable concepts in functional theory.

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