By Christiane Buchholtz

Die Verhaltensforschung befaBt sich mit der hochsten Integrationsstufe organischen Geschehens. Dabei steht die Kausalana(yse individueller und sozialer Systemeigenschaften innerhalb definierter Umweltbedingungen im Mittelpunkt des Interesses. Das arbeitshypo thetische Gesamtkonzept muB physiologische Kenntnisse mit einbeziehen. Infolgedessen ist die Verhaltensforschung mit den physiologischen Fachrichtungen der Sinnes-Nerven und Muskelphysiologie sowie der Stoffwechselphysiologie untrennbar verknupft. Unter diesem Aspekt entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten die Verhaltensphysiologie, welche heute eine auBerordentlich umfangreiche Arbeitsdisziplin darstellt. Die Verhaltensphysiologie umfaBt inzwischen eine uberwiiltigende Fuile unter schiedlicher Fragenkomplexe bei Tieren und beim Menschen. Somit erscheint der Versuch urn so notwendiger, die Grundlagen des theoretischen Gesamtkonzepts, der Methodik und der Verfahrensweisen einfuhrend zu vermitteln. Dieses geschieht mit Hilfe einer Auswahl experimenteller Beispiele. Besonderer Wert wurde auf eine Ausgewogenheit zwischen der zentralen Thematik der klassischen Verhaltensforschung, die sich vorzugsweise mit genetisch streng fixiertem Verhalten befaBte, und den informationsverwertenden Mechanismen des Lernens gelegt. Denn die auf den Grundlagen der Psychologie entwickelte Lernforschung erfiihrt in den letzten Jahren eine zunehmende Ergiinzung durch verhaltensphysiologische Konzepte. Insgesamt gilt es, die Beziehungen zu anderen Verhaltenswissenschaften wie der Psychologie, Anthropologie, Psychiatrie, Soziologie und Piidagogik hervorzuheben, ver bunden mit dem Wunsch nach einer dringend notwendigen Intensivierung interdiszipli narer Zusammenarbeit. Nicht zuletztwird eineVerstiindigung zwischen den verschiedenen Fachrichtungen von der Moglichkeit einer Vereinheitlichung stark differierender Begriff systeme abhiingig sein. In diesem Zusammenhang muB auch die Bedeutung der Anwendung biokyberneti scher Grundvorstellungen betont werden. Verstandlicherweise kann eine Einfuhrung in die Grundlagen der Verhaltensphysiologie solchen Bestrebungen nur in begrenztem Um fang entsprechen.

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Diesen Zustand bezeichneten v. Holst und Mittelstaedt als "zentralnervose Katastrophe". 5. In einem Kontrollversuch, der mit einer kopfgedrehten Fliege in einem homogen grauen Zylinder durchgeftihrt wird, beobachtet man keine entsprechenden Verhaltensanomalien wie in den Versuchen 2 und 4. Vergleicht man zunachst die Ergebnisse der Versuche mit einer normalen Fliege, so stellt man fest, daB das Versuchtstier in beiden Fallen (1 und 3) eine retinale Bildverschiebung wahrnimmt. Jedoch macht es einen Unterschied aus, ob diese durch Bewegung der Umwelt oder aber infolge von Eigenbewegungen zustande kommt; also passiv oder aktiv.

Allein ein solches Verrechnungsprinzip fiihrt zu einer Obereinstimmung zwischen der Fiihrungsgroge, also dem Kommando, und einer entsprechenden lokomolorischen Aktivitat. v. Holst und Mittelstaedt postulierten fiir das Reafferenzmodell drei zentralnervose Einheiten (Zn' Z2, Z\), da diesen jeweils eine bedeutende Funktion zugeordnet wird. Damit sol! in keiner Weise die Vorstellung einer topographischen Lokalisation verbunden werden. Handelt es sich bei Zn urn ein Zentrum, in dem im kybernetischen Sinne eine Fiihrungsgroge entwickelt wird, so nehmen Zl und Z2 die Aufgab'~n eines Reglers wahr, den Vergleich von Ist- und Sollwert und die Korrektur.

1 Typen motorischer Aktivitat Millimeter o 10 20 40 50 ..... f, .... Bild 22: Phasenbeziehungen bei den Bewegungen eines 3 Stunden alten laufenden Kiikens. Die Kopfbewegungen wurden bestimmt als Anderungen der Entfernung zwischen Schwanz und Schnabelspitze (Kopf-Schwanz-Lange 0», die Beinbewegungen als WinkelmaB (2 u. 3) entsprechend der Darstellung oben (aus Marler u. 0 Anzahl der Abschn itte, Sekunden Hamburger und Balaban (1973) untersuch ten rhythmisch wiederkehrende Bewegungen bei Hiihnerembryonen.

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